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Tiergestützte Förderung hilft Liona nach schwerem Vorfall

Manchmal braucht ein Kind keinen lauten Applaus, keine großen Worte und keine komplizierten Erklärungen. Manchmal braucht es vor allem einen Ort, an dem es wieder Vertrauen fassen darf. Einen Ort, an dem niemand drängt. Einen Ort, an dem Tiere ruhig bleiben, Natur Halt gibt und Menschen mit Geduld begleiten.

Genau so einen Ort durfte Liona auf TOMTEs HOF in Norden erleben. Der ICH e.V. konnte ihr in Kooperation mit dem Bündnis Kinderschutz und ROOSA eine besondere Woche ermöglichen: eine tiergestützte Förderung, die nicht nur ein schönes Erlebnis war, sondern für Liona nach allem, was sie erlebt hat, ein wichtiger Schritt zurück zu Sicherheit, Nähe und Vertrauen.

Warum tiergestützte Förderung für Liona so wichtig war

Liona lebt mit einer Autismus-Spektrum-Störung im Sinne eines frühkindlichen Autismus, einer deutlichen allgemeinen Entwicklungsstörung sowie einer deutlichen Sprachentwicklungsstörung. Dies geht einher mit kurzer Ausdauer, einer kurzen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne sowie starken Einschränkungen in allen Teilhabebereichen.

Für Liona bedeutet das: Viele Situationen, die für andere Kinder selbstverständlich erscheinen, können für sie eine große Herausforderung sein. Sprache, Blickkontakt, Übergänge, soziale Situationen, Reize und Veränderungen im Alltag müssen für sie anders begleitet werden. Tiere und Natur können hier auf besondere Weise helfen, weil sie nicht bewerten, nicht drängen und keine schnellen Antworten erwarten.

Noch schwerer wiegt, dass Liona das Kind ist, das durch einen öffentlich bekannt gewordenen Vorfall in einer integrativen Kindertagesstätte in Hannover betroffen war. Der Träger der Einrichtung spricht in seiner Stellungnahme von einem schwerwiegenden pädagogischen Fehlverhalten einer Fachkraft gegenüber einem Kind in Form eines körperlichen Übergriffs und bittet das betroffene Kind sowie seine Mutter ausdrücklich um Entschuldigung. Auch die Polizei ermittelte laut Medienberichten wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Carsten Stahl wurde auf diesem Fall aufmerksam und hat ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So ist überhaupt die Initiative für uns entstanden, hier Hilfe zu leisten.

Für ein Kind mit Autismus, Entwicklungsbesonderheiten und eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit kann ein solches Erlebnis besonders belastend sein. Wenn ein Kind sich nur eingeschränkt mitteilen kann, braucht es Erwachsene, die besonders aufmerksam, schützend und feinfühlig handeln. Umso wichtiger war es, Liona einen geschützten Erfahrungsraum zu schenken, in dem sie positive Begegnungen erleben, Vertrauen aufbauen und in ihrem eigenen Tempo teilhaben durfte.

Ein geschützter Ort mit Tieren, Natur und Geduld

TOMTEs HOF in Norden ist ein Begegnungshof, auf dem die achtsame Begegnung von Mensch, Tier und Natur im Mittelpunkt steht. Der Hof bietet als pädagogische Einrichtung unter anderem tier- und naturgestützte Angebote für Menschen mit Förderbedarf an

Von Montag bis Freitag durfte Liona gemeinsam mit ihrer Mutter Zeit auf dem Hof verbringen. Die Förderung wurde durch eine Fachkraft begleitet und so gestaltet, dass Liona nicht überfordert wurde. Sie durfte ankommen, beobachten, ausprobieren, sich zurücknehmen und wieder annähern. Genau diese Freiheit ist für Kinder wie Liona entscheidend.

Am Montag wurde Liona herzlich empfangen. Sie lernte den Bauernhof kennen, sah sich die Tiere an und konnte erste vorsichtige Kontakte knüpfen. Danach blieb Zeit zum freien Spielen und Erkunden. Für Liona waren das keine kleinen Nebensächlichkeiten. Es waren erste Schritte in eine Umgebung, die anders war als der Alltag: ruhiger, natürlicher, offener.

Am Dienstag waren es besonders die Schafe, die Liona berührten. Sie streichelte sie, kuschelte mit ihnen und erlebte Nähe ohne Druck. Beim gemeinsamen Füttern schaute sie interessiert zu und machte aktiv mit. Solche klaren, wiederholbaren Handlungen können für Kinder mit Autismus sehr wertvoll sein, weil sie Orientierung geben und gleichzeitig echte Teilhabe ermöglichen.

Am Mittwoch entdeckte Liona die Ziegenwippe. Neugierig probierte sie diese aus und nutzte sie immer wieder. Später spielte sie am Teich, grub mit großer Begeisterung im Schlamm und erkundete die Natur mit allen Sinnen. In den frühen Berichten wurde bereits beschrieben, dass Liona gerne mit Erde matscht und Sinneseindrücke intensiv erlebt. Solche Erfahrungen können helfen, sich selbst und die Umwelt besser zu spüren.

Am Donnerstag standen freies Spielen und intensive Begegnungen mit Ziegen und Pferden im Mittelpunkt. Liona half dabei, die Tiere zu bürsten, und begegnete ihnen ruhig und aufmerksam. Für sie bedeutete das: eine klare Aufgabe, direkter Kontakt, Sinneserfahrung und eine Beziehung, die ohne viele Worte funktioniert.

Am Nachmittag durfte die ganze Familie noch einmal auf den Hof kommen. Gemeinsam wurde ein Lagerfeuer gemacht, Stockbrot zubereitet und über dem Feuer gebacken. Gerade für Familien, die durch die besonderen Anforderungen im Alltag stark belastet sind, können solche gemeinsamen Momente sehr wertvoll sein. Auch in den medizinischen Unterlagen wird eine deutlich belastete familiäre Situation durch Lionas Entwicklungs- und Verhaltensbesonderheiten beschrieben.

Am Freitag nahm Liona an einem Training mit den Eseln teil. Sie konnte die Tiere aus nächster Nähe erleben und den Umgang mit ihnen kennenlernen. Danach blieb noch Zeit zum Spielen, bevor die Woche mit einem gemeinsamen Abschlussgespräch beendet wurde.

Liona Stockbrot

Hilfe nach einem Erlebnis, das nicht hätte passieren dürfen

Der ICH e.V. steht an der Seite von Kindern, die Schutz, Unterstützung und echte Hilfe brauchen. „Hilfe, die ankommt, weil wir es kontrollieren!“

Bei Liona ging es nicht um eine gewöhnliche Freizeitmaßnahme. Es ging darum, einem Kind nach einem schwer belastenden Erlebnis wieder positive Erfahrungen zu ermöglichen. Es ging um Vertrauen. Um Sicherheit. Um liebevolle Begleitung. Und um die Botschaft: Du bist nicht allein.

Die Hälfte der Therapiekosten wurde in Kooperation mit unserem ICH-Botschafter Carsten Stahl durch Einnahmen von ROOSA von ebenfalls ICH-Botschafter Beat Mörker finanziert. Carsten Stahl engagiert sich mit dem Bündnis Kinderschutz gegen Mobbing, Gewalt, Hass, Vorurteile, Missbrauch und Gewalt an Kindern. 

ROOSA unterstützt den Kinderschutz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mittlerweile ist vielen das rosa Klopapier bekannt. Durch den Verkauf der Produkte entstehen Spenden für präventive Projekte gegen Mobbing, Gewalt, Hass und Vorurteile. Das ICH-Logo auf den ROOSA-Verpackungen setzt dabei ein sichtbares Zeichen für Hilfe, die ankommt: bei Projekten, die der ICH e.V. begleitet und kontrolliert.

Übrigens: Eine Mitmachfütterung schenkte TOMTEs HOF der Familie und stellte sie nicht in Rechnung. Herzlichen Dank auch dafür!

Diese Woche hat nicht alles ungeschehen gemacht. Das kann keine Förderung leisten. Aber sie konnte Liona etwas geben, das nach einem schweren Erlebnis besonders wichtig ist: positive Nähe, sichere Begegnungen und das Gefühl, in ihrem eigenen Tempo angenommen zu sein.

Wir danken TOMTEs HOF für die liebevolle Begleitung, die sorgfältige Planung und das große Herz für Liona und ihre Familie. Wir danken Carsten Stahl, Beat Mörker und ROOSA für die Unterstützung. Und wir danken allen Menschen, die die Arbeit des ICH e.V. möglich machen.

Denn jedes Kind verdient Schutz. Jedes Kind verdient Würde. Und jedes Kind verdient Menschen, die nicht wegsehen, sondern helfen.

Mehr über unsere Arbeit erfahren Sie auf unserer Webseite: ICH e.V.. Mehr Informationen zum Begegnungshof gibt es direkt bei TOMTEs HOF. Weitere Informationen zum Engagement von Carsten Stahl finden Sie beim Bündnis Kinderschutz, Informationen zu ROOSA unter roosa.net.

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